TIPPS

 

 

Inhalt:

 

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Tipp 1:

Als Berliner Berlin entdecken, natürlich auch als Berlinerin

Stadtrundfahrten mit Severin+Kühn

Eine Fahrt mit der Panorama-S-Bahn

Ein Stadtführer der besonderen Art: Berlin für Berliner (bei Marco Polo)

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Tipp 2

Der Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde

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Tipp 3:

Ein offenes Haus: Das Abgeordnetenhaus von Berlin

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Tipp 4:

Ein Besuch im Spargelhof

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Tipp 5:

 Relaxen in Templin

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Tipp 6:

Zeit zum Lesen

Orlando Figes: Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken

Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Ursula Karusseit: Wege übers Land und durch die Zeiten

Edgar Most: Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals

Die Enden der Welt

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Tipp 7:

Gehen Sie ins Theater oder/und ins Kino. Es lohnt sich.

Rigoletto

Kokowääh

 

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Tipp 8:

Guten Appetit

(Kartoffelgerichte aus meiner Heimat Sachsen-Anhalt:

Hoppelpoppel / Kartoffelsuppe / Kartoffelsalat / Schusterpfanne)

 

 

 

 

Im Archiv (bitte auf nebenstehender Leiste oder auf Archiv.htm anklicken) befinden sich u. a.:

Monatssprüche seit der ersten Ausgabe dieser Homepage im Januar 2004

Ausflugs-, Theater-, Film- und Lesetipps aus vorherigen Ausgaben

 

 

 

Tipp 1:

Als Berliner Berlin entdecken,

natürlich auch als Berlinerin:

 

Meine Frau und ich machen mindestens einmal im Jahr eine Stadtrundfahrt. Obwohl wir seit fast 30 Jahren hier leben und uns vom ersten Tag an für unsere Stadt interessiert haben. Obwohl wir uns auch sofort nach der Wende den ehemaligen Westteil erschlossen haben. Aber gerade weil wir meinen, unsere Stadt zu kennen, ist es – wie wir finden – wichtig und erstaunlich, dass man sieht, wie sich Berlin in einem fortwährenden Veränderungsprozess befindet. Man spürt es, dass diese Stadt nie „fertig ist“, sondern sich in ständiger Entwicklung befindet. „Berlin wird“ – und das immerzu. Das ist ja gerade der besondere Reiz Berlins: Berlin lebt und verändert sich fast täglich. Und das kann man als Einheimischer viel genauer spüren als ein Tourist, der nur wenige Tage in unserer Stadt ist. Probieren Sie es aus!

 

Hier ein paar Tipps für Entdeckungstouren durch Berlin, wobei ich diese Tipps ausschließlich aus eigener positiver Erfahrung heraus und ohne jegliche Absprache mit den betreffenden Einrichtungen, Firmen und Vereinen unterbreite:

 

Berliner Stadtrundfahrt per Bus mit Severin + Kühn

Offiziell beginnt die Tour am Kurfürstendamm 216. Sie führt an 14 Haltepunkten vorbei, und an jedem kann man aussteigen und die Sehenswürdigkeiten ganz genau betrachten, ein Museum besuchen oder auch nur ganz einfach ein wenig da sitzen und das besondere Flair schnuppern. Man kann seine private Tour auch an jedem anderen Haltepunkt beginnen und beenden. Das Ticket (20 €) gilt für den ganzen Tag, aller 15 Minuten kommt der nächste Sightseeing-Bus (vom 1. November bis 31. Dezember montags bis donnerstags aller 30 Minuten und freitags bis sonntags weiterhin aller 15 Minuten), und jeden kann man nehmen. Die 14 Haltepunkte sind:

 

Aus einem Prospekt von Severin + Kühn

Kurfürstendamm

KaDeWe

Lützowplatz

Kulturforum

Potsdamer Platz

Jüdisches Museum

Checkpoint Charlie

Gendarmenmarkt

Alexanderplatz

Domaquarée

Friedrichstraße / Unter den Linden

Brandenburger Tor

Flohmarkt in der Straße des 17. Juni (weil dieser nur am Wochenende stattfindet, gilt dieser Haltepunkt auch nur samstags und sonntags)

Schloss Charlottenburg

 

Das Tagesprogramm beginnt um 10.00 Uhr am Kurfürstendamm 216 (Ecke Fasanenstraße). Die letzte Abfahrt ist 16.00 Uhr (ab 1. November 15.00 Uhr). Diese Tour kann man sommers wie winters (und natürlich auch Im Frühling und im Herbst) unternehmen. Aber wenn draußen wärmere Temperaturen herrschen, ist es besonders schön. 

 

„Severin + Kühn“ ist erreichbar

telefonisch unter 030 / 880 41 90

per Fax unter 030 / 882 56 18

per mail unter info@severin-kuehn-berlin.de

Weitere Informationen unter www.severin-kuehn-berlin.de

 

 

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Eine Fahrt mit der Panorama-S-Bahn

Über 100.000 Berlinerinnen, Berliner und ihre Gäste haben diese spezielle Stadtrundfahrt, die die Berliner S-Bahn seit dem Jahr 1999 anbietet, bereits genutzt: die etwa siebzigminütige Fahrt über den Berliner S-Bahn-Ring mit interessanter, sachkundiger und sachlich-humorvoller Stadterläuterung. In einem eigens in der S-Bahn-Hauptwerkstatt Schöneweide umgebauten Zug mit bequemer Innenausstattung (65 komfortable Sessel), einem kleinen Imbiss und vor allem mit weit nach oben reichenden Panorama-Fenstern beginnt und endet die Tour am Ostbahnhof, die uns über den Bahnhöfe Ostkreuz, Südkreuz und Hauptbahnhof durch die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenberg-Wilmersdorf und Mitte führt. Es ist ein sehr authentischer Blick auf Berlin: Natürlich sehen wir viele der alten und neuen Highlights, aber alles eingebettet in Gleis- und Industrieanlagen – eben wie es in der lebendigen und ständig werdenden Metropole Berlin üblich ist, wo alles neben- und miteinander existiert.

Die Panorama-S-Bahn fährt sonnabends, sonn- und feiertags dreimal täglich (11.00 Uhr, 12.40 Uhr, 14.20 Uhr) immer vom Bahnsteig 10 des Ostbahnhofs. Der Fahrpreis beträgt pro Person 15,50 Euro, Kinder von 4 bis 13  Jahren zahlen 9 Euro.

Man kann in den S-Bahn-Kundenzentren Karten im Voraus oder aber Gutscheine erwerben, die dann zum Termin eingelöst werden. Auskünfte erhält man telefonisch unter 030/2974 3444 oder unter www.s-bahn-berlin.de.

 

Aus einem Prospekt der S-Bahn GmbH

 

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Ein Stadtführer der ganz besonderen Art:

Berlin für Berliner

Dieses Büchlein ist gemeinsam von der Marco-Polo-Redaktion und der Berliner Morgenpost herausgegeben worden. Es geht davon aus, dass Berlinerinnen und Berliner ihre Stadt im Großen und Ganzen kennen, aber dass es gerade für sie hier auch viel noch Unbekanntes gibt. Rücksichten auf zu komplizierte Erreichbarkeiten, die man bei auswärtigen Touristen nehmen muss, sind bei Berlinerinnen und Berlinern nicht angebracht. Außerdem gibt es einen informativen City-Atlas, mit dem Einheimische in der Regel gut umgehen können, weil sie – siehe oben – ihre Stadt ganz gut kennen dürften. Den besonderen Reiz des Büchleins machen die vielen Insidertipps aus, wo man z.B. – jenseits der großen Touristenzentren – gemütlich oder/und erlesen ausgehen, essen und trinken, einkaufen sowie Kultur und andere Events erleben kann. Berücksichtigt wird auch Berlins Umgebung.

 

Berlin für Berliner

Hrsg. von der Marco-Polo-Redaktion und der Berliner Morgenpost

1. Auflage 2004     

Mairs Geographischer Verlag Ostfildern

 

Hinweise und Nachfragen an

Marco-Polo-Redaktion

Mairs Geographischer Verlag

Postfach 3151

73751 Ostfildern

marcopolo@mairs.de

Preis: 7,95 €

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Tipp 2

Der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde

Eigentlich weiß man es: Im Tierpark lohnt sich zu jeder Jahreszeit ein Besuch. Gegründet von Heinrich Dathe, hat sich der Tierpark in den über fünfzig Jahren seines Bestehens zu einer auch international hoch anerkannten Stätte der Erholung, der Bildung und der Forschung entwickelt. Der einzigartige Reiz des größten Landschaftstiergartens Europas erwächst aus der großzügig-harmonischen Kombination von Natur und Tiergehegen. In den tiergärtnerischen Anlagen werden die Tiere artengerecht sowie möglichst natur- und heimatnah gehalten. Wo es nur geht, sind weitläufige Freigehege – oft ohne Schutzgitter und nur durch Wassergräben getrennt – an der Tagesordnung. Immer kommt etwas Neues hinzu, denn der Tierpark ist eine anerkannte Zuchtstätte. Viele Besucherinnen und Besucher, von denen nicht wenige durch kleine oder große Spenden zur Gestaltung des Tierparks beitrugen und beitragen, haben feste Lieblingsplätze. Viele Tierplastiken machen einen Spaziergang zu einem auch ästhetischen Vergnügen. Regelmäßig werden Führungen, zuweilen auch nachts, angeboten. Und: Der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde ist auch ein beliebtes „Hotel“, denn viele Zugvögel machen im Winter hier einfach Halt und überwintern im Tierpark.

 

Aus dem Tierparkführer 2006

 

Erreichbarkeit:

U 5 / M17 und 27 / Bus 296 und 396

 

Öffnungszeiten:

täglich ab 9.00 Uhr; Schließzeiten 1.1. – 11.3. = 16.00 Uhr; 12.3. – 31.3. = 17.00 Uhr; 1.4. – 10.9. = 18.00 Uhr; 11.9. – 15.10. = 17.00 Uhr; 16.10. – 31.12. = 16.00 Uhr; 24. 12. = 13.00 Uhr 

 

Eintrittspreise:

Tageskarte /Jahreskarte                                                                                                                                            

11 € / 55 € für Erwachsene                                                                  

8 € / 40 € für Studierende, Berufsschüler

5,50 € / 25 € für Kinder bis 15 Jahre, Schwerbehinderte (und deren Begleiter) sowie Sozialunterstützte    

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Tipp 3:

Ein offenes Haus:

Das Abgeordnetenhaus von Berlin

In unmittelbarer Nähe vom Potsdamer Platz – in der heutigen Niederkirchnerstraße, der ehemaligen Prinz-Albrecht-Straße – befindet sich das Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtages, in dem seit 1993 das Abgeordnetenhaus von Berlin seinen Sitz hat. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte: 1899 wurde das von Friedrich Schulze errichtete Gebäude als Sitz für den bei der Monarchie ungeliebten Preußischen Landtag – genauer der Zweiten, der bürgerlichen Kammer des Preußischen Landtages (die Erste Kammer, das Preußische Herrenhaus, heute Sitz des Bundesrates, befindet sich auf dem gleichen Gelände, aber an der Leipziger Straße, so dass das Abgeordnetenhaus gewissermaßen an dessen Rückfront liegt) eröffnet. Ende 1918 fanden im Preußischen Landtag sowohl der 1. Reichsrätekongress (mit dem Beschluss, im Januar die Wahlen zum Reichstag der Weimarer Republik durchzuführen) als auch der Gründungsparteitag der KPD statt, die hier den verhängnisvollen Beschluss fasste, sich an diesen Wahlen nicht zu beteiligen. Gleich zu Beginn der faschistischen Diktatur wurde der Preußische Landtag aufgelöst, und nicht wenige seiner jüdischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Mitglieder saßen später in den KZ, anderen Gefängnissen, starben dort bzw. wurden hingerichtet. Das Gebäude wurde zum Volksgerichtshof unter Roland Freisler umfunktioniert und war seit der Mitte der dreißiger Jahre ein Fliegerklub, nachdem in der Nachbarschaft (im heutigen Finanzministerium) das Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Goering eingezogen war. Nach 1945 wurde es – teilweise zerstört und teilweise wieder aufgebaut – als Verwaltungsgebäude genutzt, und viele Jahre hatten hier die Staatliche Plankommission der DDR und einige Ministerien ihren Sitz. Nur wenige Meter vom Haus entfernt verlief die Mauer, und heute steht hier noch eines der wenigen erhaltenen Mauerteile. Gegenüber sind der Gropiusbau mit vielen Ausstellungen sowie das Gelände „Topographie des Terrors“, denn in der damaligen Prinz-Albrecht-Straße befanden sich in der Hitlerzeit die Zentralen der Gestapo, der SS und das Reichssicherheitshauptamt. Die heutige Niederkirchnerstraße ist also ein Schauplatz „geballter Geschichte der letzten hundert Jahre“, und es lohnt sich, hier einen längeren Aufenthalt einzuplanen.

 

Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin (Abt. Öffentlichkeitsarbeit, Florian Profitlich)

 

Wer einen Spaziergang durch dieses historische Viertel unternimmt, konnte wochentags auch das Abgeordnetenhaus besuchen. Es war bislang frei zugänglich, man musste keinerlei Kontrolle über sich ergehen lassen. Seit das Bundesinnenministerium jedoch die Sicherheitsmaßnahmen wegen der erhöhten Terrorgefährdung verschärft hat, ist der freie Zutritt nicht mehr und ein Besuch des Abgeordnetenhauses nur möglich, wenn man eine Einladung hat und angemeldet ist. Es ist aber davon auszugehen, dass das nur eine momentane Maßnahme ist. 

Zu empfehlen sind die große Eingangshalle mit einer sehr interessanten Ausstellung zur Bau- und politischen Geschichte des Hauses, aber auch die Galerie der Berliner Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger in der 1. Etage, die Galerie mit ständig wechselnden Ausstellungen (ebenfalls in der 1. Etage) sowie die Galerie im 3. Stock. Öffentlich ist auch die Kantine des Hauses im Erdgeschoss, allerdings ist sie mittags für zwei Stunden nur den Parlaments-Mitgliedern und -Mitarbeitern vorbehalten. Gruppen ab 10 Personen können sich – das gilt im Übrigen auch jetzt – beim Besucherdienst zu einer Führung anmelden, die dann auch durch den Plenarsaal führt. Solch eine Führung ist kostenlos. Wer eine Führung in einer Fremdsprache wünscht, muss sich etwas früher anmelden, damit das Notwendige eingeleitet werden kann. Über den Besucherdienst werden auf Wunsch auch politische Gespräche mit Abgeordneten aller Fraktionen vermittelt. Einmal im Jahr ist Tag der offenen Tür.

 

Im Berliner Abgeordnetenhaus sind – bis auf ganz wenige Ausnahmen – alle Sitzungen des Parlaments und der Ausschüsse öffentlich, allerdings muss man Besucherkarten (ebenfalls kostenlos, aber mengenmäßig und zeitlich begrenzt) beim Besucherdienst bestellen.            

 

Erreichbarkeit:

Abgeordnetenhaus von Berlin

Besucherdienst

Niederkirchnerstraße 5

10111 Berlin

Tel: 030 / 2325 1064

Fax: 030 / 2325 1063

eMail; Waltraud.Schulz@parlament-berlin.de

homepage: www.parlament-berlin.de

 

Übrigens gab es 1993 – kurz vor Eröffnung des Hauses in der Niederkirchnerstraße – eine groteske Parlamentsdebatte um die Postadresse des Berliner Landesparlamentes. Die Niederkirchnerstraße ist nach Käthe Niederkirchner – einer jungen deutschen Kommunistin, die als aktive Widerstandskämpferin gegen den Hitlerfaschismus von den Nazis gefasst und ermordet wurde – benannt. Für die SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen war und ist es selbstverständlich, dass „Niederkirchnerstraße“ in ihrer Postadresse steht. Nicht so für CDU und FDP; sie lassen ihre Post mit „Am Preußischen Landtag“ adressieren. Und die Verwaltung – so wurde einst entschieden – führte offiziell nur die Adresse „Abgeordnetenhaus von Berlin, 10111 Berlin“. Diese Politposse führt dazu, dass das Abgeordnetenhaus von Berlin unter drei offiziellen Postanschriften zu erreichen war. Erst seit Walter Momper Parlamentspräsident ist, wurde die Verwaltungsadresse „Niederkirchnerstraße“ festgelegt, aber zwei Anschriften hat das Haus noch immer…      

 

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Tipp 4:

Ein Besuch im Spargelhof

Aus dem Prospekt von Buschmann & Winkelmann

 

Schon längst kein Geheimtipp mehr, aber ein Tipp für einen Tagesausflug, bei dem jedes Jahr eine neue Attraktion hinzukommt: der Spargelhof Buschmann & Winkelmann in Klaistow. Direkt gelegen an unüberschaubaren riesigen Feldern mit feinstem Beelitzer Spargel, ist in der Spargelzeit (Mitte April bis Mitte Juni) ein riesiges Gaststättenzelt das eigentliche Zentrum. Und um dieses Zelt haben sich inzwischen ein ausgezeichneter Hofladen, ein Scheunenrestaurant, eine Landfleischerei, eine bäuerliche Holzofenbäckerei, Kunstgewerbe- und Blumenverkaufseinrichtungen angesiedelt. Es gibt einen wunderhübschen und ideenreichen Kinderspielplatz, einen kleinen Streichelzoo, ein ausgiebiges Wildgehege und große Heidelbeerfelder, die man in der Heidelbeerzeit selbst beernten kann. Ein originalgetreuer Nachbau der „Santa Maria“, des Leitschiffes der Kolumbusflotte, zieht alle Blicke auf sich. Es ist 2004 im Zusammenhang mit einer weiteren Attraktion entstanden, den herbstlichen Kürbiswochen, denn Kolumbus war es, der den Kürbis aus Amerika mitbrachte. Seit 2005 gibt es ein ganzjähriges Programm, das von der Spargelwochen über die Erdbeer- und Blaubeerzeit, die Kürbismessen bis zur Weihnachtsschau reicht. Und immer wieder gibt es Hof- und andere Feste; in der Regel an jedem Wochenende von April bis Ende Dezember. Von Januar bis April ist allerdings Pause. Zu erreichen ist der Spargelhof über die Abfahrt Klaistow/Glindow auf der A 10. Im Sommer fahren aber auch direkt Busse vom Bahnhof Wannsee hin und zurück. Genaueres ist unter www.buschmann-winkelmann.de zu erfahren. Es lohnt sich. Sehr sogar. Und zu jeder Jahreszeit.

Spargelhof Klaistow

Buschmann & Winkelmann

Glindower Straße 28

14547 Klaistow

Tel.: 033 206 – 6 10 70

Fax: 033 206 – 6 10 89           

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Tipp 5:

Relaxen in Templin

Bildergalerie unter www.naturthermetemplin.de

 

Das reizvolle Städtchen Templin hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Tourismus-Zentrum im Land Brandenburg gemausert. Der historische Stadtkern – vor allem die mächtige Stadtmauer – ist fast vollständig rekonstruiert, viele Bürgerhäuser erstrahlen in alter Pracht, die Neubauten wurden dem allgemeinen Ambiente angepasst, eine reichhaltige und vielfältige Hotel-, Pensions- und Restaurantlandschaft ist entstanden (detailliert unter www.templin.de). Schritt um Schritt wurde eine breite Freizeitkultur – vom Wild-West-Zentrum „El Dorado“ und der Moto-Cross-Anlage Klosterwalde über die Kerzenmanufaktur in der Mühlenseestraße bis hin zu den Rundfahrt- und Bademöglichkeiten an den fünf Seen um Templin – entwickelt.

Unter diesen Angeboten nimmt die Naturtherme einen Spitzenplatz ein. Im Zentrum steht die interessante Badelandschaft, die sowohl für ganz kleine Leute als auch für die Herangewachsenen und Familien lauter Überraschungen und Extras bereithält. Daneben besteht die Möglichkeit zu diversen Saunagängen, zu einem umfangreichen Wellnessprogramm und zu professionellen medizinischen Anwendungen. Ein uckermärkisches Restaurant direkt in der Badelandschaft (wo sich die Kleinen mit Makkaroni und Tomatensoße bekleckern und sofort unter der Dusche wieder abspülen können, weil man das Essen im Badelook verspeist) sowie ein italienisches Café (allerdings außerhalb der Badelandschaft, weswegen hier auch Zivilkleidung angesagt ist) bieten ein reichhaltiges Angebot an Speis und Trank. Allerdings – um auch das zu sagen – gibt es nichts zum Null- oder Billigtarif, eher im Gegenteil. Alle detaillierten Informationen sind unter www.naturthermetemplin.de zu erfahren.

Besonders positiv: Innerhalb Templins ist die Anfahrt zur Naturtherme in der Dargersdorfer Straße 121 vorbildlich ausgeschildert.

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Tipp 5:

Zeit zum Lesen

Wenn draußen der Regen herunter prasselt oder die Winterkälte in den Knochen knackt, lässt es sich leicht zu einem Buch greifen. Ich möchte Ihnen einige Bücher empfehlen, die ich in den letzten Monaten gelesen habe und die mich alle irgendwie gepackt haben. Auch hier will ich der Ordnung halber versichern, dass diesen Tipps keinerlei Absprachen mit Autorinnen, Autoren und/oder Verlagen und Buchhandlungen, sondern lediglich eigene besondere Leseerlebnisse zugrunde liegen. 

 

Orlando Figes

Die Flüsterer

Leben in Stalins Russland

Berlin Verlag , 2. Auflage 2008

ISBN 978-3-8270-0745-2

An diesem Buch habe ich mehrere Wochen gelesen. Das lag nicht so sehr an den über 1.000 Seiten, sondern am Stoff selbst. Orlando Figes ist ein englischer Historiker, der sich der Erforschung der inzwischen untergegangenen sowjetischen Gesellschaft widmet. In diesem Buch wendet er eine ungewöhnliche, aber selbstverständlich legitime Methode an: Figes erzählt unzählige Biografien, kommentiert sie spärlich, stellt sie vor jeweils einen bestimmten zeitlichen Abschnitt und lässt sie so selbst sprechen. Dem aufgeklärten Leser ist bei jeder Geschichte bewusst, dass Geschichten nicht die Geschichte ausmachen, aber sie können demonstrieren und Fragen beantworten, indem sie Hintergründe und Zusammenhänge ausleuchten. Für mich – selbst „gelernter Historiker“ – wurde vieles klarer – warum trotz des großen und mehrfachen Terrors der Mythos vom „Väterchen Stalin“ sich immer fester verwurzelte, warum vor allem junge Menschen „nichtproletarischer Herkunft“ aus innerem Antrieb heraus dem Zwanzigerjahre-Bild vom „neuen Menschen“ gleichen wollten und dafür ihre Familie, ihre Erziehung und sich selbst verschwiegen und verrieten, warum in den Stalinlagern bei so vielen die kommunistische Überzeugung nie ins Wanken geriet, warum so viele Menschen die schweren und verlustreichen Zeiten des „Großen Vaterländischen Krieges“ (1941 – 1945) als die beste Phase in der Sowjetgeschichte bezeichnen usw. Dieses Buch erlaubt gerade durch die Konzentration auf das persönlich Erlebte durchaus andere Meinungen, divergierende Schlussfolgerungen und kritische Distanz. Ich halte es für sehr empfehlenswert.      

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Marc-Uwe Kling

Die Känguru-Chroniken

Ullstein-Taschenbuch, Berlin 2009

ISBN 978-3-548-37257-0    

Es klingelt, der neue Nachbar stellt sich vor. Diese alltägliche Situation wird jedoch eine ganz spezielle, wenn dieser Nachbar ein Känguru ist. Genau das aber passiert in den „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. In dessen zahllosen Episoden werden fast alle uns bekannten Alltagssituationen aufgegriffen, aber jedes Mal durch das Känguru gegen den Strich befragt. So wird das Banale immer zum Ereignis, weil sich „das Normale“ stets als ziemlich absurd geriert.

Was ist das für eine Wahl, fragt das Känguru, wenn man allein zwischen Tütensuppen von Maggi und Knorr wählen darf, obwohl man Tütensuppen überhaupt nicht mag? Warum spricht ein Richter Recht und nicht Link? Bekommt die gesamte biblische Geschichte nicht erst dann ihre Logik, wenn wir Gott als bösartigen Schurken und nicht mehr als lieben Übervater sehen? Sollte man – wie es das Känguru tut – nicht lieber auf den Führerschein verzichten, als sich dem Prinzip „Rechts vor links“ zu unterwerfen und so das „kapitalistische Schweinesystem“ im Alltagsverhalten zu stabilisieren?    

Das Känguru macht es – es wählt nicht, es ist gottlos, und es macht „aus kommunistischer Überzeugung“ auch keinen Führerschein. Der Preis für das Letztere ist allerdings, dass immer andere das Känguru im Auto fahren müssen. Die dann allerdings „Rechts vor links“ einzuhalten haben. Die revolutionäre Pose als individueller Luxus auf Kosten anderer – wieder ganz schön absurd… 

Das Tolle am Internet – so heißt es auf Seite 113 – ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass es auch jeder tut. Angesichts solcher Wahrheiten verzeiht man dem Känguru die Vernachlässigung feministischer Sprachgebräuche…

Ich habe das Buch als Einschlafhilfe am Sonntagmittag nutzen wollen, doch dann las es sich von alleine. Man hat jede der Situationen schon erlebt, ist aber dennoch jedes Mal verblüfft. Man hat sich über alles schon geärgert, jetzt aber schmunzelt man einvernehmlich. Nur einschlafen kann man nicht. Sehr zu empfehlen, vor allem, wenn es draußen immer schwärzer wird…

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Markus Zusak

Die Bücherdiebin

blanvalet, München 2009

ISBN 978-3-443-37395--6    

Der junge australische Autor Markus Zusak hat schon mehrere internationale Erfolgsbücher geschrieben und wurde in 30 Sprachen übersetzt. Auch sein Roman „Die Bücherdiebin“ stürmte die internationalen Bestsellerlisten. Liesel, die Heldin des Buches, ist 1939 neun Jahre alt und hat ihre Eltern, den kommunistischen Vater, die ständig kranke Mutter sowie ihren kleinen Bruder, verloren. Letzterer erfriert und verhungert auf einer Bahnfahrt, als er und seine große Schwester in die bayerische Kleinstadt Mölching zu Pflegeeltern kommen sollen. Die Pflegeeltern – arme, einfache und vom Leben gebeutelte Leute – erweisen sich als Glückfall, denn sie versuchen in einer Welt von nationalistischer Militanz, rassischem Elitedenken und aktivem Fremden-, vor allem Judenhass anständig zu bleiben.

Liesel stiehlt hier und da ein Buch, um zunächst lesen zu lernen und dann, um, in die Welt der Literatur und Fantasie einzutauchen. Gemeinsam mit den Werten ihrer Pflegeeltern schafft sie sich so einen Orientierungsrahmen für ihr eigenes menschliches Verhalten, das ständig härtesten Belastungen ausgesetzt ist: durch die nazistische Umwelt, durch den nahenden Krieg und vor allem dadurch, dass ihre Pflegeeltern den Sohn eines jüdischen Kriegskameraden, der dem Pflegevater einst das Leben gerettet und sein eigenes dafür hingegeben hat, wie selbstverständlich verstecken. Zusak erzählt schlicht und zugleich packend, witzig und zugleich traurig, resignierend und zugleich voller Hoffnung, wie schwer, aber auch wie möglich es war, in dieser Zeit menschlich zu handeln. Der Erzähler – das ist ein besonderer und gelungener Kunstgriff – ist der Tod, der selber zunehmend von dieser Welt entsetzt ist und zunehmend Sympathie für Liesel entwickelt, die ihm immer wieder entkommt. Ich habe in meinem Leben viele Bücher über die Grausamkeit des faschistischen Alltags gelesen; dieses hat mich wie kaum ein zweites berührt und ergriffen.    

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Ursula Karusseit

Wege übers Land und durch die Zeiten

Gespräche mit Hans-Dieter Schütt

Das Neue Berlin, Berlin 2009

ISBN 978-3-360-01982--0    

Ursula Karusseit, eine der bekanntesten und beliebtesten deutschen Theater-, Film- und Fernsehdarstellerinnen, erzählt in diesem Buch Hans-Dieter Schütt von ihrem Leben, von ihren Rollen, von ihrer Ehe mit Benno Besson, und sie äußert sich zum Kunstbetrieb vor und nach der Wende. Ich finde, dass in diesem Buch etwas zu Tage tritt, was ansonsten selten und wohl auch gar nicht zu erwarten ist: Die Karusseit antwortet in der gleichen Art und Weise, wie sie die meisten ihrer Rollen gestaltet: offen, nachdenklich, zuweilen rigoros, aber auch manchmal zurückhaltend und reserviert, offensichtlich Scheu habend vor zu schnellen und zu fertigen Antworten. Ursula Karusseit war die Karriere als große Volksschauspielerin nicht in die Wiege gelegt; sie musste ihren Weg gegen viele Widerstände – zuerst im Elternhaus – durchsetzen. Ergreifen wollte sie diesen Beruf, weil sie von ihm schon in jungen Jahren geradezu ehrfürchtig ergriffen war, und das merkt man ihr noch heute an. Freilich ist ihr Hans-Dieter Schütt ein kongenialer Gesprächspartner – nicht nur ein Interviewer –, aber die Karusseit ist hellwach und hochintelligent. So ist ein Buch entstanden, in dem man sich und seine eigenen Erfahrungen – obwohl man ja einer völlig anderen Profession nachgeht – wiederfindet und doch ständig Neues entdeckt.  

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Edgar Most

Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals

Das Neue Berlin, Berlin 2009

ISBN 978-3-360-01960-8

Edgar Most war die letzten Jahre vor der Wende Vizepräsident der Staatsbank der DDR. Er gründete dann mit der Deutschen Kreditbank AG die erste Privatbank der DDR und saß die letzten Jahre – als einziger Ostdeutscher – im Vorstand der Deutschen Bank. Mit 14 Jahren – wie seinerzeit üblich – von der dörflichen Grundschule in Thüringen abgegangen, machte er in der DDR eine Banklehre, war dann in den sechziger Jahren in Schwedt der jüngste Bankdirektor der DDR, bevor seine Initiative, seine Ideen und sein Organisationsvermögen die Zentrale in Berlin auf ihn aufmerksam machten. Obwohl er die Sonderfiliale der Staatsbank in Schwedt als seine Universität erlebte, qualifizierte er sich auch formal, zunächst an der Fachschule in Gotha und dann an der Hochschule für Ökonomie in Berlin.

Sachlich, aber sichtlich – und völlig berechtigt – mit Stolz berichtet Most über seinen Lebensweg, vor allem über seine Arbeitsstationen und –aufgaben in seinem fünfzigjährigen Berufsleben. Dabei räumt er gründlich mit drei Legenden auf: erstens mit der, dass man in der DDR nicht gewusst hätte, welche Funktion das Geld in der Ware-Geld-Beziehung hat, zweitens mit der, dass man im Kapitalismus quasi mit der Mutternmilch die Funktion des Geldes eingesogen hätte, und drittens mit der, dass man sich im Geldgeschäft keine Moral leisten dürfe und nur das Geld zu sehen habe.

Natürlich ist es bedrückend, aus erster Hand zu erfahren, wie vor allem Günther Mittag und seine Mannen in der DDR ständig die Rolle des Geldes verballhornt haben, aber ebenso ernüchternd ist es, wenn Most die Verselbständigung „der Geldwirtschaft“ als eine Hauptursache für die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise herausarbeitet. Most selbst hat ein Credo, nach dem er beruflich immer zu leben bestrebt war: das Geld ist kein Selbstwert, es ist immer Mittel zum Zweck. Most zeigt, dass und wie man moralische Ziele mit dem richtigen Einsatz des Geldes verbinden kann, und fast geht der Gedanke unter, dass etwa – wie Fachleute schätzen – ein Drittel der Arbeitsplätze im Osten mit dem persönlichen Wirken von Edgar Most verbunden seien. 

Man muss kein Finanzfreak sein, um das Buch spannend zu finden, und gerade dem Laien vermittelt es wesentliche Einsichten in wirtschaftliche und finanzpolitische Zusammenhänge. Darüber hinaus lernen wir einen initiativreichen Fachmann und Macher kennen, und wenn es am Ende einen Wermutstropfen gibt, dann die bittere Frage, warum nicht solche Leute wie Most in der DDR das wirkliche Heft des Handelns in der Hand gehabt haben, sondern eine Ideologenkamarilla, die systematisch die ökonomischen Gesetze verletzt und alle Chancen verbaut hat, dass die sozialistische Idee finanziell fundierte Realität werden konnte.             

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Roger Willemsen

Die Enden der Welt

S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2. Auflage 2010

ISBN 978-3-10-092104-8

Das Buch erzählt von vielen Reisen Roger Willemsens, ist aber kein Reisebericht im herkömmlichen Sinne. Denn Roger Willemsen fuhr überall dahin, wo es die üblichen Touristenströme nicht hinführt. Eben an die „Enden der Welt“, von denen so manche nicht selten mit einem normalerweise unaussprechlichen menschlichen Körperteil verglichen werden. Und dabei lässt er nichts aus – weder den Nordpol noch Tonga, weder das nördliche Island noch das ärmlich-herbe Patagonien, weder das abseitige Tangkiling noch – ja, ja  – die Eifel. Wie immer, bestechen bei Willemsen zweierlei – seine unverstellte Neugier auf Land und Leute, deren zum Teil – nach unseren Maßstäben – ärmliches und primitives Leben er ehrlich beschreibt, ohne jemals irgendwen und irgendetwas zu denunzieren. Und seine kräftige. Ungewöhnliche und zutreffende Sprache mit vielen noch nie gehörten Metaphern, die sich aber dem Leser sofort erschließen und die zu lesen allein schon ein Genuss und Gewinn ist.

Man sollte sich für dieses dicke Buch viel Zeit nehmen – Zeit zum langsamen Lesen und Zeit zum Wirkenlassen. Ich persönlich habe keine Lust bekommen, Willemsens Touren nachzureisen, dazu hat er sie zu realistisch beschrieben. Ich verstehe aber jetzt die Welt ein bisschen besser…    

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Tipp 7:

Gehen Sie ins Theater oder/und

ins Kino. Es lohnt sich.

 

Rigoletto

in der Komischen Oper Berlin

Jetzt ist meine Vorstellung von der Lebendigkeit und Modernität des Musiktheaters wieder in Ordnung. Vor einer Woche sahen wir im herrlichen Ambiente der Dresdener Semperoper Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und waren tief enttäuscht: Die Inszenierung wirkte so, als hätten zehn Regiestudenten einzelne Szenen bekommen und diese dann zusammengestellt, so dass keine Geschichte erzählt wurde, sondern es gab eine unstimmige Abfolge verschiedener Szenen, und eine Gesamtidee gab es schon gar nicht. Die Staatskapelle Dresden patzte immer mal, weil schlecht dirigiert, die Sänger waren – bis auf den Osmin, der über einen herrlichen rabenschwarzen Bass verfügte – für solch eine Spitzenbühne ausgesprochen schwach, und sie spielten alle tollpatschig und jeder für sich vor sich hin.

Und dann eine Woche später – an 14. November 2009 – „Rigoletto“ in der Komischen Oper Berlin. Auch hier – wie in Dresden – eine Repertoireaufführung, auch hier nicht die Premierenbesetzung, aber ein überwältigendes Erlebnis. Der australische Regisseur Barrie Kosky, designierter Intendant der Komischen Oper, erzählt die Geschichte völlig anders als gewohnt, aber wohl adäquat zu dem, was Verdi – hinterfragt man seine Oper „gegen den Strich“ – auch gemeint haben dürfte.

Es ist nicht der „etwas leichtlebige, aber amüsante“ Hof des Herzogs von Mantua, dieser ist nicht der sympathische Schürzenjäger, der Hofnarr Rigoletto ist nicht der Gute, der zum Opfer wird, und zwischen ihm und seiner versteckt gehaltenen Tochter Gilda herrscht nicht eine romantische und ungetrübte Vater-Tochter-Beziehung.

Der Herzog von Mantua ist ein grausamer und über Leichen gehender absoluter Fürst, der hemmungslos seine Begierden auf Kosten aller anderen auslebt und sich dabei vollkommen im Recht fühlt. Sein Hofstaat ist ein Gesindel von willfährigen Lakaien und Hofschranzen, das ihm ständig junge Frauen zur Vergewaltigung zuführt und sich ansonsten in Kriecherei und unter- bzw. gegeneinander in menschenverachtender Bösartigkeit übt. Und der lustige Hofnarr Rigoletto macht nicht nur mit, sondern er ist Akteur, und er kehrt alles unter die Decke bzw. seine übergroße Krinoline, die er zu Anfang trägt, und verleiht so dem gespenstischen Spuk den Anschein höfischer Noblesse bzw. ausgelassener Belustigung. 

Und er praktiziert diese despotisch-hierarchische Männergesellschaft gegenüber seiner Tochter Gilda, die er aus berechtigter Angst vor dem Hof und dem Herzog versteckt hält – symbolisch in einem Schrank. Folgerichtig lehnt sich Gilda auf – sie will endlich etwas über ihre Mutter wissen, sie will den Namen und Stand des Vaters kennen, und sie will aus ihrem Verlies ausbrechen. Und all das verhindert Rigoletto, sicher teils aus Angst, teils aber auch aus Akzeptanz seiner absoluten Vaterrechte. So ist es Rigoletto selbst mit seinen rigiden Regeln, der seine Tochter reif für den Verführer – also den Herzog – macht.

Erst als die Geschichte ihren bekannten Lauf nimmt, gewinnt Rigoletto Einsicht in das System und seine Rolle, und so nimmt er fast ergeben-resignativ seine Verfluchung durch den von ihm verspotteten Grafen Monterone an, als der sich gegen den Herzog, der seine Tochter vergewaltigt hat, auflehnt und ermordet wird. Und man hat den Eindruck, als empfände Rigoletto den Tod seiner Tochter irgendwo auch als gerechte Strafe für sein eigenes Verhalten.

Das wird stimmig – ergänzt durch Stilelemente der Commedia del Arte, die den historischen und psychologischen Hintergrund erhellen – gespielt, es wird teilweise sehr gut gesungen und ausgesprochen gut musiziert, denn der junge Kapellmeister Patrick Lange, den man allgemein für eines der größten Dirigenten-Talente unserer Zeit hält, betont vor allem den entlarvend-gefährlichen Charakter der herrlichen Verdischen Musik. Man kann und muss genau hinschauen, denn es gibt unzählige kleine Gesten und Bezüge, die den Betrachter zurückholen in die vom Regisseur geforderte Distanz, ob nun der Höflingschor vor Begeisterung mittanzt, als er dem Herzog von Gildas Entführung berichtet, ob Maddalena bei den schmelzendsten Stellen mit den Hüften wackelt, ob der Herzog von Mantua sein „Ach wie so trügerisch“ in italienischer Sprache singt, ganz wie einen Schlager und nicht – wie so oft auf der Bühne vorgetäuscht – als Ausdruck echten Gefühls. Denn ansonsten wird – wie eigentlich immer an der Komischen Oper – eine deutsche Übersetzung gespielt; die Oper ist eben – wie von Richard Wagner formuliert und von Walter Felsenstein praktiziert – ein Gesamtkunstwerk.

Und das Ergebnis der zwei Stunden (ohne Pause) ist, dass man durchweg gefesselt und gebannt ein Geschehnis auf dem Musiktheater verfolgt, das man eigentlich doch schon mehr als zehn Mal im Laufe der Jahre gesehen hat. Mein Tipp: Ein Muss für alle Opernfreunde und ein hervorragendes Einstiegsangebot für alle, die der Kunstgattung Oper näher treten wollen.

Nachtrag, nachdem ich im Februar 2011 – also eineinhalb Jahre nach diesem Eintrag – diesen Text eigentlich ins Archiv geben wollte: Es ist nach wie vor das Beste, was ich seitdem auf der Opernbühne sah, und es stimmt nach wie vor – freilich aus meiner Sicht – jedes Wort…            

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Kokowääh

Dass auch dieser Til-Schweiger-Film (wieder ist er Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller) ein Renner ist, hat sich inzwischen herumgesprochen, und die Leute bestätigen das auf ihre Weise, indem sie diesem Film besetzte Säle und volle Kassen bescheren. Man darf nur gespannt sein, wie lange die Fachwelt bei der Nominierung für Festivals und der Vergabe von Preisen noch ignoriert, dass Schweiger ein ganz Großer ist, der für die Belebung des Kinos Unersetzbares leistet, indem er mit leichter Hand und totaler Stimmigkeit ernsthafte Themen aufgreift und so darbietet, dass man sich sehr gern von ihnen berühren und zum Nachdenken verführen lässt.

Wie schon in früheren Til-Schweiger-Filmen betrachtet es eine ganze Schauspieler-Creme als Ehre, teilweise in kleinen und kleinsten Rollen mitzuwirken, allen voran die große Katharina Thalbach als Zahnarztpatientin, die wegen einer Kiefersperre kein einziges Wort Text hat. Was für eine Klamotte hätte aus dieser Szene werden können! Und was für große Kunst ist daraus geworden!  

Welch ein qualitativer Abstand zu so vielen anderen „Unterhaltungsfilmen“ und vor allem zu dem ganzen Comedy-Quatsch, mit dem wir tagtäglich überschüttet werden, der unsere primitivsten Seiten anspricht und uns so zum Lachen – wohl aber nicht zum Denken – bringen soll. Ab in die Tonne damit, möchte man sagen. Schweiger zeigt erneut, wie es völlig anders geht.

Der Drehbuchautor Henry (Til Schweiger), nicht sehr erfolgreich und in ständiger Geldnot, erlebt quasi an einem Tag zwei riesige Überraschungen: Die Autorin Katharina (Jasmin Gerat) will das Drehbuch zur Verfilmung ihres Erfolgsromans, der sie zu Ruhm und Reichtum gebracht und dessen Idee sie aus dem Papierkorb ihres Ex-Partners Henry geklaubt hat, nur zusammen mit Henry schreiben, was für ihn die Chance wäre. Und zugleich steht die achtjährige Magdalena (Emma Schweiger) vor seiner Tür und soll nach dem Willen ihrer Mutter Charlotte (Meret Becker) einige Wochen bei ihm wohnen, weil Henry Magdalenas Vater ist, wovon er aber bis eben nichts wusste.

Charlotte muss nämlich zu einem Prozess nach New York, und ihr Ehemann, der Zahnarzt Tristan (Samuel Fitzi), der sich bislang für Magdalenas Vater gehalten hatte, will sich – nachdem er die wahren Vaterschaftsverhältnisse erfahren hat, nicht mehr um sie kümmern.

Und aus dieser Grundkonstellation entsteht ein höchst amüsanter, perfekt gemachter und immer wieder berührender und nachdenklich stimmender Film, denn natürlich will Tristan nicht von seiner Tochter lassen, und natürlich will Henry schon nach kurzer Zeit ebenfalls Magdalena nicht mehr wegschicken, und natürlich wollen Tristan und Charlotte sich nicht wirklich trennen, und natürlich will Katharina Henry nicht wirklich zur Hölle schicken, obwohl er sich vor neun Jahren konsequent dem Kinderwunsch von Katharina verweigerte und zugleich einen ungeschützten One-Night-Stand mit seiner langjährigen platonischen Freundin Charlotte hatte.

Nur: Sie sagen es sich nicht. Und eigentlich ist das ganz gut so, denn dann wäre ja alles zu Ende, und es hätte keinen Film gegeben. Denn aus all den Konflikten entwickelt sich eine tragende und spannende Geschichte mit lauter wunderbaren und ganz lebensnahen Szenen – vor allem zwischen der achtjährigen Magdalena und ihrem Erzeuger-Vater Henry, aber auch die großartig gespielten Episoden zwischen den beiden Vätern Tristan und Henry oder auch die immer wiederkehrende Situation, dass jede Begegnung zwischen Katharina und Henry, selbst wenn sie am Drehbuchtext arbeiten, immer und sofort zur Aufarbeitung ihrer einst gescheiterten Beziehung geriert und dabei mehr und mehr erkennbar wird, dass sich beide längst entschieden haben, es noch einmal und diesmal besser zu versuchen, es aber selbst noch nicht so richtig wissen.

Nur in den Schluss hätte das Drehbuch etwas mehr investieren sollen, denn nur der dargebotene Freizeit- und Disneypark-Jubel ist wohl eine bei weitem nicht ausreichende Metapher für die gemeinsame Zukunft der wiedervereinigten Partnerschaften und der geteilten Vaterschaft für Magdalena.

Übrigens: Coq au vin (von Magdalena gesprochen als Kokowääh) ist weniger als eine Rand-Episode…             

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Tipp 8:

Guten Appetit …

… bei einem „Hoppelpoppel“ aus Sachsen-Anhalt

1944 wurde ich in Köthen, im damaligen Anhalt und heutigen Sachsen-Anhalt, geboren. Zwei Produkte bestimmen dort über lange Zeit die Landwirtschaft: die Zuckerrübe und die Kartoffel. Vielleicht kommt es daher, dass in der regionalen Küche die Kartoffel nicht schlechthin eine „Beilage“ ist, sondern sehr kreativ auch als Hauptgericht verwendet wird. Ein sehr beliebtes, einfaches und schnelles Gericht ist Hoppelpoppel, die ländliche Variante des Bauernfrühstücks. Mitunter wird Hoppelpoppel – z.B. in der Gaststätte „Zum alten Fritz“ am Alex – auch als Berliner Spezialität angeboten. Die Zubereitung ist – wie gesagt – einfach: Man schneide geschälte und gekochte Kartoffeln in Scheiben und brate sie in der Pfanne so richtig goldgelb. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer und Paprika und vor allem mit viel Kümmel, wobei dieser natürlich am Ende zwar zu schmecken sein muss, aber nicht „vorschmecken“ darf. Gegen Ende des Bratvorgangs wird reichlich gewürfelte Jagdwurst hinzu gegeben, allerdings darf sie nicht verbraten. Und zum Schluss wird über das Ganze gequirltes Ei gegossen, das dann leicht gerinnen, aber noch ein wenig flüssig sein sollte. Mit Gewürz- oder sauren Gurken serviert, ist Hoppelpoppel eine richtige Leckerei.  

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… bei einer Köthener Kartoffelsuppe

Kartoffelsuppe habe ich schon in vielen Varianten erlebt. Am besten schmeckt mir und – wie ich es oft erlebt habe – vielen anderen auch eine Zubereitung, wie sie in meiner Heimatstadt Köthen üblich ist. Die Zubereitung geht so: Rohe Kartoffeln schälen und in Stücke schneiden, Suppengrün und klein geschnittene Zwiebeln darauf legen, Brühe (evtl. Würfelbrühe) aufgießen bis alles bedeckt ist, gut mit Kümmel, Salz und Pfeffer würzen. Danach einen Teelöffel Senf, einige Spritzer Worcestersauce und etwas Tomatenmark hinzugeben und – am besten im Schnellkochtopf – garen lassen. Nach dem Garen die Brühe abgießen (aber aufheben!), alles zerstampfen und die Brühe wieder hinzugießen, das alles gut durchrühren bis es sämig wird. Letztlich werden klein geschnittene Würstchen dazu gegeben, und alles wird mit Petersilie angerichtet. Ganz wichtig: Insgesamt darauf achten, dass das Ganze nicht zu suppig, sondern eher etwas seimig wird.         

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… bei einem Kartoffelsalat nach Omas Art

Die Großmutter meiner Frau bereitete Kartoffelsalat immer auf eine spezifische Weise zu, und wir machen es ihr seit vielen Jahren nach. Um es vorweg zu sagen: Dieser Kartoffelsalat ist ein „Party-Knaller“ und oft als erstes weg. Zunächst wird die Marinade hergestellt: eine halbe Gourmetremoulade (von Thomy), etwas Curry und Edelsüßpaprika sowie nicht zuviel Worcestersauce und ein wenig Tomaten-Ketchup werden zusammengekippt. Danach alles mit Milch verdünnen und mischen. Zwei kleingeschnittene Zwiebeln, eine kleingeschnittene grüne Gurke, zwei kleingeschnittene Äpfel (ohne Schale), die gekochten, geschälten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln werden anschließend in genau dieser Reihenfolge in die Marinade eingerührt. Zum Schluss die Ananas (Inhalt einer kleinen Büchse ohne Saft) in mundgerechte Stücken schneiden und unter den Salat heben. Abschließend eventuell ein wenig Ananassaft zum Abschmecken heran geben.  

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… bei einer Schusterpfanne aus Sachsen-Anhalt

Ich empfehle Ihnen abschließend eines meiner Lieblingsgerichte – eine Schusterpfanne. Auch dieses Gericht kommt aus meiner Heimat Sachsen-Anhalt und ist ein Geheimtipp: In einer großen Bratenpfanne („Gänse-Bräter“) ohne Deckel werden geschälte und geviertelte Kartoffeln, halbierte und ausgenommene Birnen mit Schale sowie eine ordentliche Portion vorher rundum angebratenen Schweinekamms im Stück (es kann auch Kotelett sein) so nebeneinander gestapelt, dass das Fleisch in der Mitte liegt. Alles muss gut mit Kümmel (der vor allem), Salz und Pfeffer gewürzt und mit heißer Brühe bedeckt werden. Oben muss etwas frei bleiben. Dann etwa zwei Stunden in der Röhre schön langsam braten lassen. Die Kartoffeln und die Birnen sind dann oben außen leicht angebacken und gebräunt. Vor dem Servieren das Fleisch in Scheiben schneiden.

 

Und noch eine Empfehlung: Wer etwas von dem nachkochen möchte und wem meine Angaben zu ungenau sind, sollte doch lieber noch einmal bei meiner Frau Barbara (Telefon: 030 / 9240 8766 oder Mail zotl.berlin@superkabel.de) nachfragen. Sie weiß es ganz genau… 

 

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